18. Dezember 2017

Keine integrativen Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Frankfurt

Auf der Tagung "Vielfalt statt Einfalt! Freizeitangebote auch für Kinder und Jugendliche mit Behinderung in Frankfurt!" am 24. Oktober 2008 hat sich die Kommunale Kinder, Jugend- und Familienhilfe der Stadt Frankfurt zur Integration von Kindern- und Jugendlichen mit Behinderung bekannt und Veränderungen in der Angebotsstruktur angekündigt. "Wir wollen im Jugend- und Sozialamt bei der Entwicklung von Konzepten einen Qualitätsstandard einführen, der die Integration und Inklusion verbindlich macht", heißt es im Grußwort der Stadträtin Prof. Dr. Daniela Birkenfeld.

Da die bisherige Frankfurter Angebotsstruktur im Bereich Freizeit die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlich mit Behinderung nicht mit einbezieht, ist deren Teilnahme immer noch eine Ausnahme. Ein 15-jähriger Schüler der Viktor-Frankl-Schule äußert sich während der Tagung: "Ich würde auch gerne in die Jugendhäuser gehen, aber ich habe keine Möglichkeit dort hinzukommen - auf dem Weg sind zu viele Barrieren, die mir als Rollstuhlfahrer den Weg versperren." Nicht nur die baulichen Strukturen verhindern eine Teilnahme, sondern auch die Inhalte und Abläufe vieler Freizeitangebote.

Dass Kinder mit Behinderung nicht ausschließlich als Behinderte anzusehen sind, sondern in erster Linie als Kinder, war das Kernanliegen der Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft (FBAG) und Anstoß zur Initiierung dieser Tagung. Kinder und Jugendliche in Freizeitangebote nicht mit einzubeziehen oder gar auszugrenzen, sieht sie als eigentliche Behinderung von Persönlichkeitsentfaltung und Persönlichkeitsentwicklung. "Wenn wir Kinder nach unterschiedlichen Kriterien in Gruppen einteilen und diese Gruppen einander nicht begegnen können, dann schaffen wir zukünftige gesellschaftliche Probleme“, betont Sibylle Hausmanns von der Bundesarbeitgemeinschaft Gemeinsam leben - gemeinsam lernen e.V. aus Frankfurt.

Prof. Dr. Anne Stein von der Evangelischen Fachhochschule in Darmstadt ergänzt: "In dieser Begegnung wird der Mensch mit Behinderung zu einem Menschen mit Namen und Eigenschaften - er bleibt nicht länger der "Behinderte", weil die Behinderung in den Hintergrund rückt." Hier sieht sie eine wesentliche Chance, Stigmatisierung und Vorurteile abzubauen, wenn diese nicht sogar von vorneherein verhindert werden können.

Um solche Orte der Begegnung zu ermöglichen, wurden in München "Leitlinien für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit und ohne Behinderung" erstellt. Hiervon berichteten die ebenfalls als Referenten geladenen Christa Schmidt vom Jugendamt München und Professor Dr. Clemens Dannenbeck von der Universität Landshut. Die Grundsätze "Barrierefreiheit" und "Inklusion" werden dort in Modellprojekten und in enger Zusammenarbeit mit öffentlichen und freien Trägern umgesetzt. "Barrieren beginnen alle im Kopf! In dem Moment, in dem die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Jugendeinrichtungen sich das bewusst machen, entwickeln sie viele tolle Ideen, wie man barrierefrei arbeiten kann", so die Erfahrung von Christa Schmidt.

Die zuständige Geschäftsbereichsleiterin der Frankfurter Kommunalen Kinder, Jugend- und Familienhilfe, Irene Kessler-Stenger, kündigte an, sich für die Entwicklung solcher Leitlinien einsetzen zu wollen: "Das, was München mit den Leitlinien schon geschafft hat, wollen wir bei uns in Frankfurt auch vorantreiben!" Die Brisanz dieser Thematik spiegelte sich in der hohen Anzahl der Tagungsteilnehmer wider: Über 140 Interessierte aus der Frankfurter Kinder, Jugend- und Behindertenarbeit sowie Familien mit behinderten Kindern und behinderte Jugendliche nahmen an der Tagung teil. T

homas Ziegler, stellvertretender Leiter des Frankfurter Kinderbüros, bedankte sich bei der Behindertenbeauftragten der Stadt Frankfurt und Geschäftsführerin der Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft, Friederike Schlegel, dass der Fokus der Fachöffentlichkeit wieder auf das Thema Kinder und Jugendliche mit Behinderung gelenkt wurde. "Das war längst überfällig, diese Diskussionen wurden in den letzten Jahren sehr stiefmütterlich behandelt!"

Die Frankfurter Behindertenarbeitsgemeinschaft wird sich in den kommenden Monaten mit diesen positiven Tagungsergebnissen weiterhin aktiv für die gleichberechtigte Teilhabe und ein selbstverständlichen Miteinander aller Kinder und Jugendlichen einsetzen und die Öffnung der vorhandenen Freizeitangebote in diesem Sinne vorantreiben.

Jutta Jung (CeBeeF e.V.), 25. November 2008