18. Dezember 2017
29.11.2017

Zu Weihnachten ein Kunstwerk – fünf Künstler über die Jahresschau des BBK Frankfurt

Großer Kunstmarkt in Römer und Paulskirche begleitet den Frankfurter Weihnachtsmarkt


(kus) Mit einem großen Kunstmarkt und seiner Jahresausstellung beteiligt sich der Berufsverband Bildender Künstler (BBK) bereits zum 95. Mal am Frankfurter Weihnachtsmarkt. 108 Künstler aus dem Rhein-Main-Gebiet zeigen ihre Werke. Die Jahresausstellung des BBK Frankfurt in der Paulskirche wurde am Mittwoch, 29. November, eröffnet. Hier präsentieren 52 Künstler bei freiem Eintritt Gemälde, Grafiken, Fotografien, Skulpturen, Objekte sowie Kunsthandwerk. Ab Freitag, 8. Dezember, werden die BBK-Künstler zudem die Römerhallen kreativ bespielen. Bis Freitag, 22. Dezember, hat der 95. Frankfurter Künstler-Weihnachtsmarkt täglich von 12 bis 20 Uhr geöffnet.

Beim Kunstmarkt in den historischen Gewölbehallen des Rathauses Römer werden die 56 Künstler druchgänging den Besuchern, ebenfalls bei freiem Eintritt, exklusive Einblicke in ihre Arbeit gewähren. Das kunsthandwerkliche Portfolio reicht von Gold- und Silberschmiede-Arbeiten über Objektkunst bis zu klassischer und moderner Malerei. Fünf der beteiligten Künstler erzählen, wie sie zum BBK stießen und woran sie in ihren Ateliers arbeiten.

Virtuose Glas-Objekte
Nadja Recknagel (44) aus Bad Homburg hat sich auf Skulpturen und Installationen aus selbst gestricktem Glas spezialisiert. In diesem Jahr ist sie zum dritten Mal bei der BBK-Jahresausstellung dabei. Während ihres Studium an der Hochschule für Kunst und Design in Halle an der Saale war sie zwischen Textil und Keramik als Arbeitsmaterial hin- und hergerissen. Doch erst bei vertiefenden Studien in Ohio und Stockholm fand Recknagel zu ihrer künstlerischen Bestimmung: „Mein Thema ist Leichtigkeit. Ich habe immer den Willen gehabt, meine Stücke aufzuhängen. Glas habe ich vorher nicht als künstlerisches Material wahrgenommen. Dabei ist das genau das Material, das ich brauche, um große, leichte und farbige Objekte herzustellen“, erklärt sie.

2006 zog die Künstlerin ins Rhein-Main-Gebiet und schloss sich dem Berufsverband Bildender Künstler an. „Als Künstler arbeitet man ständig alleine. Ich habe den Kontakt und die Anbindung nach Frankfurt gesucht“, erläutert Nadja Recknagel. Glas-Strickerei sei eine sehr anstrengende, aber erfüllende Tätigkeit, für die man nur einen Brenner, eine Propangas-Flasche, Geduld und Kreativität benötige.

Die BBK-Jahresausstellung in den Römerhallen ist für Recknagel ein wichtiges Datum in ihrem Terminkalender, da man während der Ausstellung auf viele verschiedene Künstler treffe und in den Römerhallen eine festliche Atmosphäre herrsche. „Auch gibt es neben sehr viel Laufpublikum einige interessierte Kunden, die man andernorts nicht treffen würde“, sagt Recknagel. Welche Objekte sie zur Weihnachts-Schau mitnehmen wird, steht noch nicht genau fest. Derzeit wartet Recknagel noch auf Werkstücke, die auf einer Kunstausstellung in Südkorea gezeigt wurden.

Vom Pausenhof ins eigene Atelier
Die künstlerische Karriere von Jan Malte Strijek (41) begann auf einem Schulhof in Rödelheim. „Bei mir hat sich das in der Schulzeit Anfang der 90er-Jahre ergeben“, erklärt der Graffiti-Künstler. Er habe schon immer gerne Figuren gezeichnet. Da sowohl der Schulleiter der Rödelheimer Liebigschule, als auch der damalige Hausmeister „recht offen waren“, konnte Jan Malte Strijek seine Skizzen als Graffiti auf dem Schulhof verewigen. „Das war erst einmal kein künstlerisches, sondern ein kreatives Erlebnis für mich“, sagt Strijek. Er ist „nach wie vor sehr dankbar“, nicht in den illegalen Raum gedrängt worden zu sein, wie viele andere Graffiti-Künstler in den 90er-Jahren.

Später machte Jan Malte Strijek sich daran, seine kreativen Farbergüsse auf Leinwand zu bannen. Über die Jahre baute er sich so einen veritablen Kundenstamm auf, der Auftragsarbeiten bei ihm orderte. Dennoch studierte der Künstler erst einmal Volkswirtschaftslehre. Aber: „Ich konnte mich nicht durchringen, nicht mehr Künstler zu sein und hatte schon immer ein Faible für Selbständigkeit“, erklärt Strijek, weshalb er seit 2009 hauptberuflich zeichnet, sprayt und malt.

Vornehmlich auf Leinwand kultiviert Jan Malte Strijek seinen ganz eigenen Stil. Oft kommt eine Mischtechnik aus Acryl, Farben und Lacken zum Einsatz, die er mit Pinsel, Airbrush-Pistole und Sprühdose aufträgt. „Das umfasst handwerkliche Elemente, die mir gefallen. Flächig arbeite ich gerne mit Graffiti, Filigranes mache ich mit dem Pinsel“, erklärt Strijek. Manche Bild-Elemente trage er tagelang „im Kopf herum und puzzle sie dann zusammen.“ Auf der Leinwand ist Dynamik gefragt. Einen vorgefertigten Entwurf lediglich abzumalen, sei keine Option. Für seine großformatigen Arbeiten benötigt Jan Malte Strijek bis zu 60 Arbeitsstunden.

Zum BBK stieß der Sprayer und Maler, als er 2013 bei einem Schulkünstler-Projekt auf das BBK-Vorstandsmitglied Viktor Naimark traf. „Ich fand es schon immer wichtig, die Brücke zu anderen Künstlern und Genres zu schlagen. Das war für mich die Initialzündung, mich zu bewerben“, sagt Strijek. 2015 nahm er erstmals am BBK-Weihnachtsmarkt teil. „Dort kommen viele Leute vorbei, die man zum Teil Jahre nicht gesehen hat“, sagt Strijek. Durch die große Resonanz hätten sich bereits etliche Verkäufe und Aufträge im Nachgang ergeben. Dieses Jahr ist Strijek erstmals bei der Paulskirche mit seinen neuen Arbeiten verterten. Seine Bilder kosten zwischen 350 und 2500 Euro.

Filigraner Strich und traditionelles Handwerk
Heinz Wallisch ist ein echtes Urgestein des BBK-Weihnachtsmarktes. „1995 war ich zum ersten Mal dabei, nachdem ich mich erfolgreich beim BBK beworben hatte“, erinnert sich der 75-Jährige an seine künstlerische Premiere im Frankfurter Römer. Wallisch, der fast 40 Jahre als Kunst-Lehrer arbeitete, hat 1980 das Sujet der Radiertechnik für sich entdeckt. „Das hat mich so fasziniert, dass ich dabei geblieben bin. Seither mache ich nichts anderes“, erklärt der kunstbegeisterte Hofheimer.

Neben seiner Arbeit hatte Heinz Wallisch nicht genügend Zeit, um sich voll und ganz der Kunst zu widmen. Dennoch kam er schon vor Jahren mit dem Frankfurter Bildhauer und Grafiker Walter Hanusch in Kontakt. Bis heute besucht Wallisch den Frankfurter Weggefährten alle zwei Wochen in dessen Werkstatt, um über neue Projekte und Ideen zu sprechen. Durch die Künstlerin Irmi Lang-Kummer wurde Wallisch wiederum auf den BBK aufmerksam, dem er 1995 beitrat. Für ihn ist der Berufsverband die ideale Plattform, um sich mit anderen Künstlern auszutauschen und seine Werke einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Ich arbeite gegenständlich und realistisch. Das sind zum Teil Reise-Impressionen, zum Teil aber auch kritische Themen oder Alltagseindrücke, etwa eine Radierung der Römer-Ostzeile, die 1984 errichtet wurde“, erklärt Heinz Wallisch.

Für seine detailgetreuen Radierungen verwendet der Hofheimer ganz im Stile alter Meister Kupferplatten, in die er das Motiv seiner Bilder einätzt. „Manchmal dauert es Wochen, bis eine Radierung fertig ist“, sagt der pensionierte Lehrer über sein diffiziles Handwerk, bei dem viel Geduld und eine ruhige Hand gefragt sind. Hauptantrieb seines Schaffens sei die Freude an der Arbeit. „Wichtig war mir aber auch immer, dass die gedruckten Blätter nicht später nicht in Schubladen verschwinden, sondern auf Resonanz stoßen. Dafür ist der BBK-Weihnachtsmarkt das ideale Forum“.

Heinz Wallischs Radierungen sind ab 17 Euro für ein Bild in Postkarten-Format zu haben. Größere und gerahmte Bilder können bis zu 300 Euro kosten.

Surreal, abstrakt und farbenfroh
„Ich war in meiner Seele schon immer Malerin“, antwortet Bianca Scheich auf die Frage, was sie an ihrem Metier fasziniert. Doch als die damals 15-jährige Tochter eines Schreiners ihrem Vater erzählte, dass sie Malerin werden möchte, sei dieser „fast vom Hocker gefallen und hat gedacht, ich werde bettelarm“, entsinnt sich Scheich schmunzelnd. In der Schule jedoch habe eine Lehrerin das große Potenzial ihrer Schülerin erkannt und gefördert. 15 Jahre lang bildete sich die gelernte Buchhalterin neben der Arbeit weiter: Sie besuchte Kurse an der Städelabendschule, der Freien Kunstakademie in Trier und der Frankfurter Malakademie.

Im Jahr 2000 funktionierte Scheich schließlich eine Garage ihrer Bad Homburger Wohnung zum Atelier um und nahm ihre ersten größeren Aufträge an. Auch ein Altarbild in der Nieder-Eschbacher St. Stephanus-Kirche von ihr. Kurze Zeit später hängte Bianca Scheich ihren Beruf an den Nagel, mietete sich ein größeres Atelier an und wurde 2016 im BBK aufgenommen. „Auch mein Vater ist inzwischen sehr begeistert“, berichtet die selbständige Malerin. Ob Aquarell oder Öl: Bianca Scheichs Bilder handeln stets von den großen Themen des Lebens: Liebe, Tod, Katastrophen – stets stehe das Leben und Vergehen auf Erden im Vordergrund. „Ich erzähle meine Geschichten auf Leinwand. Es fängt stets mit einem Farb-Experiment an, bis sich das Thema langsam zuspitzt“, erläutert Scheich die Genese ihrer surreal, abstrakt und farbenfroh anmutenden Bilder.

Oft malt sich die Künstlerin regelrecht in einen Rausch. Pro Serie entstehen so 30 bis 40 Bilder binnen weniger Wochen. Meist besteht solch eine Serie aus einem Hauptbild und mehreren kleinen Motiven. Auf ihre Premiere als Teilnehmerin der BBK-Jahresausstellung freut Scheich sich seit Wochen. Für die Ausstellung hat sie vier mit Tusche überarbeitete Aquarelle mit einer Größe von 50 mal 70 Zentimetern ausgewählt. Eines trägt den Titel. „Der Bikeonaut“ und zeigt einen Radfahrer, der durchs Weltall fährt. Scheichs Bilder sind ab 500 Euro inklusive Rahmen erhältlich.

Entschleunigte Analog-Fotografie
„Zur Fotografie kam ich vor über 40 Jahren durch ein Zeitungs-Volontariat. Da wurde mir eine Kamera in die Hand gedrückt und gesagt, ich soll auch gleich die Bilder machen, wenn ich die Texte schreibe“, entsinnt sich Markus Elsner. Wenig später richtete sich der inzwischen 59-jährige Frankfurter ein Schwarz-Weiß-Labor ein und fotografierte alles, was ihm vor die Linse kam. Sein bevorzugtes Arbeitsmedium ist seit Jahren Polaroid: Seit 2011 koordiniert der künstlerische Fotograf und Autor mit einer Vorliebe fürs Analoge die Öffentlichkeitsarbeit für den Künstlerweihnachtsmarkt des BBK.

Im Laufe der Zeit sei das Thema Fotografie immer gewichtiger in seinem Leben geworden. „Seit 15 Jahren ist das meine berufliche Existenz“, sagt der studierte Kunsthistoriker, der auch als Autor viel über Kunst geschrieben hat. Markus Elsner ist seit jeher von Kunst umgeben und angetan. „Ich denke immer in Bildern und Motiven. Wenn ich Abstand habe, etwa im Urlaub, ist der Blick nicht mehr so fokussiert“, erklärt Elsner.

Markus Elsner sucht in seinen Bildern stets das Abstrakte. „Polaroid ist für mich das Analogste, das es gibt. Das fordert Auge und Konzentration noch vor dem Auslösen. Der Rahmen gibt das Motiv noch vor dem Auslösen vor“, erläutert Elsner seinen künstlerischen Ansatz. Gerne spielt Elsner mit den Emotionen der von ihm portraitierten Personen.

„Ein Hintergrund ist nicht immer nötig, weil ich sehr stark ins Detail gehe“, erklärt er. Neun Bilder zum Quadrat aneinandergereihte Polaroids von verschiedenen Gesichtsteilen fügt der Künstler zu einer Collage zusammen. „Das mache ich, weil jeder Mensch verschiedene Facetten und viele Gesichter hat. Wenn man nur ein Foto macht, fängt man nur einen Bruchteil davon ein. So jedoch ergibt sich auch aus verschiedenen Charakter-Eigenschaften ein komplexes Bild einer Person“, sagt Elsner.

Gerne verfremdet Elsner seine Polaroid-Aufnahmen jedoch auch während des Belichtungsprozesses. Während der ersten Minuten, wenn die Chemikalien das Bild entwickeln und fixieren, bearbeitet Elsner mit manuellem Druck scharfkantiger Gegenstände die Oberfläche. Das Ergebnis sind märchenhafte und impressionistisch, ja fast wie Gemälde anmutende, Bilder. „Ich kann nicht malen, dafür arbeite ich mit dem, was in einem Polaroid drin ist“, erklärt der Künstler seinen seit 30 Jahren kultivierten Ansatz.

Ob und wie er ein Bild bearbeitet, entscheidet er intuitiv während des Entstehungsprozesses. Polaroid-Foto-Kalender, die Elsner extra für den BBK-Weihnachtsmarkt anfertigt, sind ab rund 21 Euro zu haben. Von Miniaturen bis zu zehn Quadratmeter-Objekten kosten Elsners reguläre Arbeiten zwischen 50 und mehreren tausend Euro.