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9. Dezember 2018

Inklusion im Job: Erfolgsfaktor für Unternehmen

Gemeinsame Pressemitteilung zur Veranstaltung "Personal. Fachkräfte. Diversity. – Inklusion in Ausbildung & Beruf" am 16. November 2018

Wirtschaft profitiert von Inklusion

Am Freitag, dem 16. November 2018, fand bereits zum zweiten Mal die Veranstaltung „Personal. Fachkräfte. Diversity. – Inklusion in Ausbildung & Beruf“ in der IHK Frankfurt am Main statt, um Menschen mit Behinderung mit Unternehmen aus der Region zusammenzuführen. Mehr als 450 Teilnehmer*innen, darunter rund 150 Schüler*innen, informierten sich an den mehr als 30 Unternehmensständen über Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten. Jobsuchende Menschen mit Behinderung sowie Arbeitgeber mit entsprechenden Angeboten begegneten sich in persönlichen Gesprächen. Zusätzlich konnten Arbeitnehmer*innen ihre Lebensläufe in einer Galerie präsentieren und sich so auf ein Praktikum oder eine Festanstellung direkt bei den Unternehmen bewerben. Gastgeber der Veranstaltung waren die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main, die Stadt Frankfurt am Main, das Netzwerk Inklusion Deutschland e.V. und die Lust auf besser leben gGmbH.

„Viele Unternehmen stehen einer betrieblichen Ausbildung oder der Einstellung von Menschen mit Behinderung zwar offen gegenüber, jedoch fehlt es häufig an Ansprechpartnern und einer regionalen Vernetzung der Unterstützungsangebote für Unternehmen und Arbeitnehmer. Wir wollen mit der heutigen Veranstaltung zu einer Verbesserung beitragen“, sagte Karen Hoyndorf, stellvertretende Präsidentin der IHK Frankfurt am Main, bei der Eröffnung der Veranstaltung. „Bereits heute fehlen alleine im Bezirk der IHK Frankfurt am Main rund 71.000 Fachkräfte. Die Fachkräftelücke droht damit zum Bremsklotz für die regionale Wirtschaft zu werden. Angesichts des immensen Bedarfs an qualifizierten Arbeitskräften können wir es uns schlicht nicht leisten, potenzielle Arbeitnehmer*innen nicht mit offenen Armen aufzunehmen“, so Hoyndorf. Alle Möglichkeiten, Menschen für eine qualifizierte berufliche Tätigkeit zu gewinnen, müssten ausgeschöpft werden: „Maßnahmen im Bereich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die gesteuerte Zuwanderung ausländischer Fachkräfte und eben auch die Inklusion von Menschen mit Behinderungen sind wesentlich für die Unternehmen“, so Hoyndorf weiter.

„Arbeitnehmer mit Behinderung bringen besondere Stärken ins Unternehmen ein“, sagte Stadträtin Prof. Dr. Daniela Birkenfeld. „Sie bringen ihre fachliche Qualifikation mit. Das Unternehmen kommt mit ihnen näher an neue Kundengruppen heran. Und zusätzlich tragen sie zur Stärkung der Teamkultur bei. Denn die Teammitglieder lernen durch die Erfahrung, insgesamt achtsamer miteinander umzugehen. Das wirkt sich positiv auf die Zusammenarbeit aus. Das alles macht die Unternehmen wettbewerbsstark und gibt den Menschen Perspektiven. Am Ende gewinnen alle! Auf dem Weg dorthin gibt es tatkräftige Unterstützung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch den Landeswohlfahrtsverband und den Integrationsfachdienst, deren Leistungen wir noch bekannter machen wollen.“

Personaldezernent Stefan Majer schloss sich an: „Es ist unser gemeinsamer, gesellschaftlicher Auftrag, Menschen mit Behinderung eine unabhängige Lebensführung und die uneingeschränkte Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen, gerade auch auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb haben wir uns verpflichtet in diesem Zusammenhang Vorbild zu sein. Mit einem Anteil von aktuell 11 Prozent aller Beschäftigten ist die Frankfurter Stadtverwaltung Arbeitgeberin von mehr als doppelt so vielen behinderten Menschen als in den Sozialgesetzen vorschrieben. Darauf sind wir sehr stolz. Denn hinter einer Integrationsquote von 11 Prozent verbergen sich Menschen mit ganz individuellen Fähigkeiten und Leistungen, die die Frankfurter Stadtverwaltung in vielfältiger Weise bereichern. Gegenseitige Achtung und Respekt sind Teil einer gelebten Inklusion bei der Stadt Frankfurt am Main.“

Alexandra von Winning, Geschäftsführerin von Lust auf besser leben gGmbH, ergänzte: „Inklusion funktioniert, wenn Wille, Mut, Haltung, Wissen und unterstützende Strukturen zusammenkommen. Zugegeben: Dies sind schwere Voraussetzungen, aber allemal lohnenswert. Es ist Zeit, alles zusammenzubringen.“

„Inklusion steht für Teilhabe. Wir schöpfen so viel für uns aus dem Job, den wir tun. Das gilt für Menschen mit Behinderung ebenso. Wir alle möchten sinnvoller Arbeit nachgehen. Wir sollten also möglich machen, was möglich ist: in Schule – im Job – der Freizeit – an Teilhabe: einfach Inklusion“, so Alexandra Cremer, Vorsitzende des Netzwerks Inklusion Deutschland e.V.

Oliver Schwebel, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Frankfurt, sieht die Chance bei den Unternehmen: „Unternehmen können über Inklusion in unterschiedlichen Bereichen profitieren. Sie bekommen häufig Mitarbeiter, die wissen, wie man mit Problemen umgeht und diese löst. Zusätzlich werden andere Mitarbeiter motiviert und in ihrer eigenen Verantwortung gestärkt.“

Neben den persönlichen Gesprächen bot die Veranstaltung noch eine Podiumsdiskussion, in der Erfahrungen aus der Praxis ausgetauscht wurden, sowie vier verschiedene Workshops zu Möglichkeiten und Herausforderungen bei der Beschäftigung von Arbeitnehmer*innen mit Behinderung, Good-Practice-Beispielen aus Betrieben, der Arbeitsplatzgestaltung und dem Umgang mit Autismus im Job.

Veranstaltung zu Chancen der Inklusion für Arbeitgeber in der IHK Frankfurt am 5. Mai 2017

Die Veranstalter des Forums „Personal. Fachkräfte. Diversity.“ sind überwältigt von der großen Resonanz: Über 300 Teilnehmer füllten zwei große Säle bei der Veranstaltung, die am „Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ in der IHK Frankfurt am Main stattfand.

Unternehmen, jobsuchende Menschen und beratende Institutionen begegneten sich in vertrauensvoller Atmosphäre und pflegten einen regen Austausch. Experten und Unternehmen vermittelten wertvolle Tipps. Institutionen präsentierten ihre Unterstützungsangebote. Jobsuchende Menschen mit Behinderung und jobbietende Arbeitgeber begegneten sich in persönlichen Gesprächen.

Gastgeber der Veranstaltung waren das Netzwerk Inklusion Deutschland, die Stadt Frankfurt (Stabsstelle Inklusion), die IHK Frankfurt am Main, die Nachhaltigkeitsberatung Good Growth und die Aktion Mensch.

Warum ist so eine Veranstaltung notwendig? Frankfurts Sozialdezernentin Stadträtin Prof. Dr. Daniela Birkenfeld erklärte: „Menschen mit Behinderung sind fast doppelt so oft arbeitslos wie der Durchschnitt. Dabei gibt es handfeste Argumente für Unternehmen, genau diese Menschen einzustellen.“ Im Schulterschluss ergänzte Oliver Schwebel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Frankfurt: „Ohne die besonderen Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung sind viele Erfolge erst gar nicht möglich.“

Haupterkenntnis der Veranstaltung: Inklusion bietet Unternehmen zahlreiche Chancen und ist oft einfacher als gedacht. Richtig umgesetzt, ist sie nicht nur ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Fachkräftesicherung, sondern hat nachweislich auch weitere positive Auswirkungen.

Karen Hoyndorf, Stellvertretende Präsidentin IHK Frankfurt am Main, erklärte: „Menschen mit Behinderung können in einem Unternehmen eine neue Kultur der Vielfalt schaffen. Sie stechen oftmals hervor durch ihre Loyalität, Empathie und ihren Teamgeist, aber auch durch Kreativität – wer im Alltag mit Herausforderungen zu kämpfen hat, bringt häufig auch am Arbeitsplatz innovative Denkansätze mit.“

Dass diese Worte in der Praxis bereits gelebt werden können, demonstrierte Alexander Kraemer von der AfB gGmbH: „Bei AfB ist Inklusion kein blumiges Randthema, sondern Kern unserer Geschäftsstrategie. Aktuell besteht unsere Belegschaft zu 49% aus Mitarbeitern mit Beeinträchtigung, gemeinsam erbringen wir erfolgreich professionelle IT-Dienstleistungen an 18 Standorten für über 680 Unternehmen in Europa.“

Doch Inklusion ist kein Selbstläufer und die Veranstaltung ging über Sonntagsreden hinaus. Dass in Hessen noch viel zu tun ist, erklärte Dagmar Greskamp von der Aktion Mensch. Sie präsentierte das Inklusionsbarometer 2016, gemäß dem Hessen momentan das Schlusslicht im Vergleich der Bundesländer ist.

„Grundvoraussetzung für Inklusion ist vor allem die innere Einstellung und Haltung. Wer Inklusion will, findet Wege. Wer sie nicht will, findet Ausreden“, so Alexandra Cremer vom Netzwerk Inklusion Deutschland. Und nicht nur Unternehmen könnten dabei an sich arbeiten. Dr. Alexandra von Winning von Good Growth ermutigte die Betroffenen zu mehr Selbstvertrauen: „Machen Sie sich bewusst, was Sie einem Arbeitgeber zu bieten haben: Ihre Fähigkeiten, Ihr Engagement, Ihre Problemlösungskompetenzen. Warum sollte nicht auch ein Mensch mit Behinderung sich den Arbeitgeber aussuchen?“ Birkenfeld stellte fest: „Diese große Veranstaltung in der IHK zeigt: Die berufliche Inklusion ist in der Arbeitgeberschaft angekommen!“

Auch die Teilnehmer der Veranstaltung gaben sehr positive Feedbacks: „ausgezeichnete Vorträge“, „sehr gute Kontakte und Gespräche“, „viele engagierte Menschen“, „vielfältiges Angebot“.

Die Veranstalter ziehen ein sehr positives Fazit und wünschen sich, dass die Offenheit für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung weiter zunimmt. Denn beide Seiten, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer, profitieren davon.