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23. April 2018
12.12.2017

Ab 1. Januar 2018 steht der Fahrgast-Begleitservice der VGF auch an Samstagen zur Verfügung


(kus) Alles ging ganz schnell: Egon Matthes saß – in Begleitung seiner Enkelin – bei der Bürgersprechstunde im Büro von Oberbürgermeister Peter Feldmann. Das war am 28. Oktober und er hatte ein Anliegen: Den Fahrgast-Begleitservice der VGF, den er „prima“ findet, seit er ihn im Herbst diesen Jahres zum ersten Mal genutzt hat, könne vielleicht auch samstags angeboten werden. Peter Feldmann war ganz Ohr. Und griff zum Telefon, um diese Ausweitung des Services mit VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott zu besprechen. Ginge das? Sinnvoll wäre es, da waren sich beide sicher.

Kurz und knapp: 2018 soll es gehen. Seit sieben Jahren bietet die VGF diesen Begleitservice an, aber eben nur an Werktagen. Montags bis freitags in der Zeit von 7 bis 21 Uhr stehen Mitarbeiter bereit, um Fahrgäste, deren Mobilität oder Orientierung – und sei es nur vorübergehend – eingeschränkt ist, bei ihren täglichen Fahrten zu begleiten und sie zu unterstützen – zum Einkauf, zum Arzt oder in die Freizeit.

Unter der Rufnummer 069/213-23188 kann der Service bis spätestens am Vortag bei der VGF gebucht werden, der Kundendienst nimmt Anrufe werktags von 8 bis 15 Uhr entgegen. Die Mitarbeiter holen den Kunden zu Hause ab, helfen wenn nötig auch gerne beim Fahrkartenkauf, begleiten bis zum Ziel und wieder zurück. Der Service ist kostenfrei, einzig ein gültiger Fahrschein ist notwendig.

Im Lauf des ersten Quartals 2018 will die VGF diesen Service probeweise auch samstags anbieten. Darauf soll wiederum ein vorweihnachtliches Pilotprojekt am 16. und 23. Dezember aufmerksam machen, wenn der Begleitservice für zwei Advents-Samstage gebucht werden kann.

Sechs Wochen bis zur Umsetzung
Warum aber sind Samstage für jemanden wie Egon Matthes wichtig und sinnvoll? Der 87 Jahre alte Rentner aus dem Gallus lieferte dem Oberbürgermeister das beste Beispiel: Zur Bürgersprechstunde hatte er sich und eine Person vom Begleitservice angemeldet. Als er die Fahrt buchen wollte, musste die VGF ihm mitteilen, dass der Service samstags eben nicht zur Verfügung stehe. Also „buchte“ Matthes seine Enkelin und schilderte Ende Oktober dem Oberbürgermeister „brühwarm“, wie er sein Anliegen beschreibt.

Nachdem Peter Feldmann sich dasselbe zu eigen gemacht hatte, ging bei der VGF alles schnell. Die Frage der Angebots-Ausweitung wurde geprüft – hier geht es vor allem darum, auch qualifiziertes Personal zur Verfügung stellen zu können – und Egon Matthes, der seinen Vorschlag auch schriftlich fixiert hatte, wurde bei einen Pressetermin am Montag, 11. Dezember, zugesagt, dass die VGF seinen Vorschlag umsetzen würde. „Das sind gerade mal sechs Wochen“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann. „Wenn die Stadt immer so schnell reagieren könnte, wie es die VGF in diesem Fall getan hat, würden wir ganz neue Maßstäbe in Sachen Kundenfreundlichkeit setzen“, freute er sich.

In diesen sechs Wochen hatte sich Feldmann bei der VGF nochmals eingehend über den Begleitservice und den Ablauf seiner Aufträge informiert. Heute zog er sich seinerseits die Dienstkleidung über, um einen Stammkunden der VGF, den stark sehbehinderten Saban Tekin, auf seiner Fahrt vom Johanna-Tesch-Platz zur Konstablerwache zu begleiten. Auch Tekin lobt den Fahrgast-Begleitservice, der seine Besorgungen und Fahrten in Bus und Bahn erheblich leichter macht. Und auch er ist von der Idee angetan, den Service unter Umständen an Samstagen in Anspruch zu nehmen.

Denn tatsächlich: Behördengänge oder Fahrten zu Arzt-Terminen sind klassischerweise nur an Werktagen sinnvoll. Aber Oberbürgermeister Feldmann stellte zu Recht fest, was auch Egon Matthes mit seiner Fahrt zur Bürgersprechstunde gezeigt hatte: Es gibt auch an Wochenenden Termine oder Veranstaltungen, die der ältere Herr am Stock, die Dame mit Sehschwäche oder die Mutter mit Gipsbein und Kinderwagen wahrnehmen möchten: Feste vielleicht, Einkaufsfahrten oder ein Besuch auf dem Bauernmarkt auf der Konstablerwache.

Solche Fahrten – mit Umsteigen in U-Bahn-Stationen und allem Drum und Dran – sind für einen Rentner wie Egon Matthes, der sich mit einem Rollator bewegt, beschwerlich. „Bei solchen Exkursionen“, sagt er, „bin ich ungern allein.“ Auf den Begleitservice stieß er erst 2017 durch einen Artikel in der Senioren-Zeitschrift. Er versuchte es – Ziel war eine Ausstellung im Karmeliterkloster, die er mit Hilfe der VGF problemlos erreichte –, war zufrieden und hat die Fahrgast-Begleiter der VGF seitdem mehrmals gebucht.

Vorweihnachtliches Angebot
Mit dem Fahrgast-Begleitservice bietet die VGF in Frankfurt seit rund sieben Jahren eine Dienstleistung an, die Fahrgästen die Wege leichter macht und sie in ihrer täglichen Mobilität unterstützt. Bislang gilt das Angebot an Werktagen, im Lauf des ersten Quartals 2018 will die VGF diesen Service probeweise auch samstags anbieten. Darauf soll wiederum ein vorweihnachtliches Pilotprojekt an den Samstagen 16. und 23. Dezember aufmerksam machen, wenn der Begleitservice für zwei Advents-Samstage gebucht werden kann.

Aktuell beschäftigt die VGF 14 Fahrgast-Begleiter, ein VGF-Mitarbeiter ist für Auftrags-Disposition und Personalbetreuung zuständig, bei starker Nachfrage springt auch er als Begleiter ein. Seit 2010 übernimmt der Service wöchentlich rund 80 Aufträge, knapp 30.000 seit Einführung des Angebots. Inzwischen hat die VGF rund 25 Stammkunden, die den Begleitservice regelmäßig für ihre Besorgungen nutzen.

Partner der VGF sind hierbei neben der Stadt Frankfurt der Beschäf-tigungsträger BIWAG GmbH & Co. KG und das Jobcenter Frankfurt. Diese Partnerschaft sichert die Finanzierung des Modells und die Personalrekrutierung, denn mit der Fahrgastbegleitung wird erwerbs-losen Menschen der Wiedereinstieg ins Berufsleben ermöglicht. Zwischen der VGF und der BIWAG wurde zu diesem Zweck vor sieben Jahren ein Arbeitnehmerüberlassungsvertrag geschlossen. Das heißt: Die Fahrgastbegleiter sind offiziell bei der BIWAG angestellt und gehen ein zunächst auf zwei Jahre befristetes, sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis ein. In dieser Zeit stehen sie der VGF aber zu ihrer Arbeit als Fahrgastbegleiter überlassen. Während dieser Zeit haben die Kollegen die Chance, bei der VGF einen dauerhaften Arbeitsplatz zu finden.

Als der Startschuss für den Service am 3. Mai 2010 fiel, standen die ersten 20 neuen Mitarbeiter bereit. Die Ausbildung weiterer Service-Kräfte erfolgt seitdem kontinuierlich. Die laufenden Kosten trägt die VGF, sie übernimmt zudem die Ausstattung der Mitarbeiter mit Dienstkleidung und Mobiltelefonen.

Begleitservice mit zwei Zielen
Bei dem Pressetermin lobten Peter Feldmann und Thomas Wissgott nicht nur den Service selbst, der Rentnern wie Egon Matthes hilft, sondern auch ein gesellschaftspolitisches Ziel: Zum einen sollten bis dahin im öffentlichen Verkehr oft unsichere Menschen sich trauen, ihre Wege mit Bahn und Bus zurückzulegen, wodurch sie wieder stärker am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. Zum anderen lautete das gemeinsame Ziel, langzeitarbeitslose Menschen im Rahmen des öffentlichen Beschäftigungssektors zu Service-Kräften zu qualifizieren, um ÖPNV-Kunden – und solchen, die es noch werden wollen – die genannte Dienstleistung anbieten zu können.

In den vergangenen sieben Jahren waren mehr als 56 Mitarbeiter im Einsatz. Ein Teil von ihnen hat – wie ausdrücklich gewünscht – einen neuen Job bei der VGF gefunden: sechs in den TicketCentern, einer in der Automatenkasse. Acht weitere sind auf dem ersten Arbeitsmarkt von Frankfurter Firmen eingestellt worden.